Am Beispiel der MSCI ESG Indizes

 

1. Das MSCI ESG Rating System

Der Faktor Nachhaltigkeit wird bei der Geldanlage immer mehr beachtet. Sowohl private als auch institutionelle Anleger widmen zunehmende Anteile ihres Portfolios der Nachhaltigkeit. So verwundert es nicht, dass es zu diesem Thema inzwischen auch einige Aktienindizes gibt. Dies bedeutet, dass auch ETF-Anleger nun Zugang zum nachhaltigen Investieren haben.

Der Indexanbieter MSCI, auch bekannt durch den MSCI-Welt-Aktienindex, berechnet schon seit einigen Jahren den MSCI Welt ESG Index. ESG bedeutet Environment (Umwelt), Social Responsibility (Soziale Verantwortung) und Governance (Unternehmensführung). MSCI hat zu diesem Zweck ein Rating-System erstellt. In der Tabelle sind die Kriterien für das Rating aufgeführt. Sie reichen von Umwelt über Produkt- und Mitarbeiterverantwortung bis hin zur Bezahlung des Managements und Korruption.

Das MSCI ESG Rating System

3 Säulen10 ThemenBeispiele für Kriterien
Umwelt:KlimawandelEigene Karbon-Emissionen, Karbon-Emissionen in der Lieferkette
Natürliche RessourcenWasserknappheit/-verschmutzung, Rohstoffbeschaffung, Landverbrauch, Artenvielfalt
Umweltverschmutzung und AbfallGiftige Abfälle, Emissionen, Elektronikschrott, Verpackung, Abfall
Umwelt-ChancenErneuerbare Energien, Clean Tech, Green Building
Gesellschaft:PersonalPersonalmanagement, Personalentwicklung, Gesundheit und Sicherheit, Arbeitsschutz und Sicherheit bei Zulieferern
ProduktverantwortungProduktsicherheit, Produktqualität, chemische Sicherheit, Datenschutz, Gesundheitsrisiken
Opposition von BeteiligtenKontroverse Beschaffungspolitik
Gesellschaftliche ChancenZugang der Mitarbeiter zu medizinischen Dienstleistungen
Unternehmensführung Unternehmensverhalten:UnternehmensführungManagement, Bezahlung des Managements, Eigentümer, Bilanzierung
Verhalten von UnternehmenEthisches Verhalten, Korruption, unlauterer Wettbewerb, Steuerehrlichkeit, Finanzielle Solidität

 

Quelle: MSCI

 

2. Die MSCI ESG Indizes

MSCI berechnet unter anderem folgende ESG Indizes (Nachhaltigkeitsindizes):

2.1. Die MSCI ESG Leaders Indizes

Von dem Ausgangsindex (beispielsweise MSCI Welt) werden die 50% der dort enthaltenen Unternehmen ausgewählt, die ein überdurchschnittliches ESG Rating besitzen. Die andere Hälfte der Unternehmen aus dem MSCI Welt werden weggelassen.

 

2.2. Die MSCI ESG Universal Indizes

Von dem Ausgangsindex (beispielsweise MSCI Welt) ausgehend werden die Unternehmen mit einem höheren ESG Rating höher gewichtet als die mit einem niedrigeren ESG Rating; tendenziell höher gewichtet werden auch die Unternehmen, bei denen eine Verbesserung des ESG Ratings im Gange ist.

2.3. Nur tendenzielle Ausrichtung auf Nachhaltigkeit

Man kann daraus erkennen, dass die nachhaltige Ausrichtung der ESG Indizes von MSCI nur tendenziell gilt bzw. nur moderat umgesetzt wird. Bei der „Leaders“-Variante besteht der Index aus den 50% der Aktien des Ausgangsindex mit dem höchsten ESG Rating. Es versteht sich von selbst, dass 50% der weltgrößten Unternehmen nicht reine „Öko-Unternehmen“ sind oder ethisch über jeden Zweifel erhaben sind. Auf der anderen Seite hat der Anleger durch diese Indizes die Möglichkeit, in ein nachhaltig orientiertes, aber dennoch breit diversifiziertes Portfolio zu investieren. Anders ausgedrückt handelt es sich bei diesen Indizes eher um „Realo-Indizes“.

3. Rendite und Risiko von Nachhaltigkeit-Investments

MSCI hat sich kürzlich damit befasst, ob nachhaltiges Investieren wirklich das Risiko-Rendite-Profil des eines Aktienportfolios verbessert. Dabei wurde nicht nur ein einfacher Performancevergleich angestellt, sondern es wurden auch folgende fundamentale Auswirkungen untersucht, die sich indirekt auf die Wertentwicklung der Aktien auswirken sollten:

  1. Ob „nachhaltige Unternehmen“ profitabler sind als Aktiengesellschaften im Durchschnitt
  2. Ob sie weniger Risiko beinhalten, entweder weniger unternehmensspezifisches Risiko (z.B. bessere Bilanz) und/oder weniger allgemeines Aktienmarktrisiko (z.B. weniger konjunkturempfindlich)

 

Die Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass „nachhaltige Unternehmen“, also Unternehmen mit einem hohen ESG-Rating im Durchschnitt…

  1. eine höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften
  2. geringere unternehmensspezifische Kursschwankungen haben
  3. geringere Aktienmarkt-abhängige Kursschwankungen haben
  4. niedrigere Schwankungen im Unternehmensgewinn haben
  5. nach Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis am Aktienmarkt höher bewertet sind

…als Unternehmen mit einem niedrigen ESG-Rating.

Insgesamt deutet ein höheres Nachhaltigkeits-Rating also auf eine höhere Ertragskraft und ein geringeres Risiko hin.

Die Unterschiede bei den einzelnen Kriterien zwischen den Unternehmen mit hohem ESG Rating und niedrigem ESG Rating waren allerdings nicht sehr groß, aber aufgrund der großen Anzahl der untersuchten Unternehmen dennoch statistisch signifikant.

Auch bei der Wertentwicklung und bei den Wertschwankungen (Volatilität) haben die Unternehmen mit hohem ESG Rating etwas besser abgeschnitten:

 MSCI ACWI (Welt inkl. Schwellenländer)ESG Universal (Aktien mit hohem ESG Rating werden höher gewichtet)ESG Leaders
(die 50% der Aktien mit dem höchsten ESG Rating)
Wertentwicklung in % pro Jahr8,38,78,6
Risiko/ Volatilität in % pro Jahr12,312,011,9

Zeitraum: Mai 2011 – September 2017; Datenquelle: MSCI

Zu diesem positiven  Bild in der Wertentwicklung könnte allerdings die Tatsache beigetragen haben, dass gerade in den letzten Jahren Portfolios in Richtung Nachhaltigkeit umgeschichtet wurden und daher „nachhaltige Aktien“ überdurchschnittlich gefragt waren.

 

4. Fazit:

Nach der Studie von MSCI wiesen in den letzten Jahren die nach dem MSCI ESG Rating überdurchschnittlich bewerteten Unternehmen eine leicht höhere Kapitalrendite und auch ein leicht geringeres Risiko auf als die Unternehmen im normalen Index. Die Wertentwicklung der Aktien mit überdurchschnittlichem ESG Rating war im Zeitraum 2011-2017 ebenfalls etwas höher bei den Unternehmen mit überdurchschnittlichem ESG Rating und die Volatilität etwas geringer. Da die MSCI ESG Indizes sehr breit diversifiziert sind, kommen sie auch für die normale Geldanlage in Frage. Allerdings werden für die breiten MSCI ESG Indizes bisher kaum ETFs angeboten. So existieren ETFs bisher nur für Teilbereiche der MSCI ESG Indizes, z.B. für die USA.

Quellen:

ESG Ratings: MSCI ESG Ratings

Studie von MSCI: Foundations of ESG Investing, November 2017