Rohstoffe als Investment?

Schon seit vielen Jahren werden Rohstoffe als sinnvoller Teil einer langfristigen Vermögensanlage propagiert. Als wichtiger Grund dafür wurde die über mehrere Jahrzehnte vorherrschende negative Korrelation zu Aktien angeführt. Damit ist gemeint, dass Rohstoffpreise fallen, während Aktienkurse steigen und dass Rohstoffpreise steigen, während Aktienkurse fallen. Diese Phase scheint jedoch nun beendet zu sein…

 

Vermögensanlage und Rohstoffe

Wenn Sie Ihre Vermögensanlage zusammenstellen, versuchen Sie vor allem folgendes zu erreichen:

  • Eine langfristig hohe Rendite
  • Relativ niedrige Wertschwankungen

Wenn Sie eine hohe Rendite erreichen wollen, kommen Sie kaum darum herum, in Anlagen mit erhöhtem Risiko zu investieren, also in erster Linie in Aktien. Um das Risiko Ihrer Vermögensanlage dennoch möglichst niedrig zu halten, haben Sie u.a. zwei Möglichkeiten:

  • Breite Diversifikation (Risikostreuung) innerhalb der Aktienanlage, beispielsweise durch Anlage in Europa, den USA und den Schwellenländern. Dies ist zwar sehr sinnvoll; allerdings sind die Wertschwankungen dann immer noch relativ hoch.
  • Beimischung von negativ korrelierten Anlagen wie Rohstoffen, die (hoffentlich) dann steigen, wenn die Aktienkurse fallen.

 

Rohstoffe und Aktien

Während Rohstoffe lange Zeit negativ korreliert waren zu Aktien, haben sie allerdings zwei Nachteile gegenüber Aktien:

  • Die Wertschwankungen von Rohstoffen sind noch größer als die von Aktien
  • Auf Rohstoffe erhält man keinen laufenden Ertrag (keine Dividenden, keine Zinsen)

 

Rohstoffe und Aktien sind korreliert

 

Aktien Welt: MSCI Welt, Rohstoffe: S&P GSCI Index, Datenquelle: Onvista

 

In den Jahren bis 2008 stiegen die Rohstoffpreise stark an, gleichzeitig mit den Aktienkursen. In der Finanzkrise 2008 brachen sie extrem stark ein, auch gleichzeitig mit den Aktienmärkten. Das bedeutet, dass sie eindeutig positiv korreliert waren. Wie die Grafik zeigt, war der Einbruch der Rohstoffpreise in 2008 noch stärker als der der Aktienkurse. In den Jahren danach war die Entwicklung gemischt.

Die Grafik zeigt, dass die Beimischung von 20% Rohstoffen zu einer weltweiten Aktienanlage die Wertschwankungen erhöht.

In einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, auf Englisch:BIS) wurde dies klar bestätigt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass in einem Vermögen, das davor nur aus Aktien besteht, durch die Beimischung von Rohstoffen die Schwankungsbreite zunimmt. (BIS Working Papers, No. 420, On the correlation between commodity and equity returns: implications for portfolio allocation; by Marco Lombardi and Francesco Ravazzolo, Monetary and Economic Department, July 2013)

 

Fazit

  1. Die Beimischung von Rohstoffen in der langfristigen Vermögensanlage erscheint wenig sinnvoll.
  2. In den gängigen Aktienindizes sind ohnehin Rohstoffaktien, also Aktien von Ölgesellschaften oder Bergbauunternehmen enthalten.

In einem kleineren Umfang „für den Krisenfall“ Gold, Platin oder Silber zu halten, kann Sinn machen. Wenn der Anteil dieser Anlagen zu groß wird, schmälert er allerdings erheblich den laufenden Ertrag des gesamten Vermögens.

Anleger, die eine klare Einschätzung zur zukünftigen Preisentwicklung von einzelnen Rohstoffen haben, finden bei ETFs vielfältige Möglichkeiten, diese in der Anlage umzusetzen. Allerdings sollte man auch hier immer auf eine ausreichende Diversifikation/ Risikostreuung des gesamten Vermögens achten.

26.04.2017|Tags: , , |

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