Die Bedeutung der Disziplin in der Geldanlage

In der Ruhe liegt die Kraft

 

1. Häufiges Umschichten kostet Geld

Als langfristiger Anleger braucht man viel Disziplin. Dass die meisten Anleger diese nicht haben, zeigen statistische Auswertungen. Die Analysten von Mars Asset Management haben beispielsweise festgestellt, dass auf dem Höhepunkt der Internet-Blase im Jahr 2000 die deutschen Aktienfonds Mittelzuflüsse in Höhe von € 74 Mrd. erhielten. Als sich nach dem Einbruch des Aktienmarktes die Kurse stabilisierten, investierten die Anleger bevorzugt in Rentenfonds. Die Wertentwicklung von Rentenfonds war in den Folgejahren unauffällig, während sich die Aktienkurse massiv erholten. Das bedeutet, dass viel mehr Anleger am Abschwung des Aktienmarktes teilnahmen als am darauffolgenden Aufschwung.

Besonders interessant ist, wie sich dieses prozyklische Verhalten (in steigenden Märkten kaufen, in fallenden verkaufen) auf das Vermögen der Anleger ausgewirkt hat. Hier hat Mars Asset Management berechnet, welche Wertentwicklung deutsche Fondsanleger in den Jahren 1997-2013 erzielt haben. Danebengestellt haben sie die Rendite, die aus den entsprechenden Indizes zu erwarten gewesen wäre.

 

Anlegerrendite im Vergleich zum Index

 

Die durchchnittliche Rendite von Fondsanlegern lag mit 2,8% pro Jahr erheblich unter dem Index mit 5,3%

 

 

 

 

 

 

 

 

Datenquelle: Mars Asset Management, FAZ vom 27.8.2014, BVI

 

Im Vergleich zu einer Indexentwicklung von durchschnittlich 5,3% pro Jahr (blauer Balken) über den Zeitraum 1997-2013 haben  die durchschnittlichen Fondsanleger eine Wertentwicklung pro Jahr von 2,8% (orangefarbener Balken) erzielt.

Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen (5,3% und 2,8%) ergibt sich vor allem aus:

  • dem „Timing“, also dem Zeitpunkt von Kauf und Verkauf; auf dem Höhepunkt der Internet-Blase und kurz danach war einfach viel mehr Geld in deutschen Aktienfonds investiert als in der Aufwärtsbewegung davor und in der Kurserholung danach.
  • den laufenden Fondskosten
  • der Abweichung der Wertentwicklung aktiver Investmentfonds vom Index; aktiv, also von Fondsmanagern verwaltete Investmentfonds haben in der Vergangenheit im Durchschnitt eine geringere Wertentwicklung gezeigt als die entsprechenden Indexfonds.

Noch nicht berücksichtigt sind in  den 2,8 %: Ausgabeaufschlag (der beim Fondskauf meist anfällt) und Steuern. Die eigentliche Wertentwicklung fiel also noch deutlich niedriger aus (brauner Balken).

 

2. Die wichtigsten Anlagefehler

Ein großer Teil der Privatanleger schmälert demnach seine Rendite durch

  • den Kauf und Verkauf zu ungünstigen Zeitpunkten
  • hohe Fondskosten
  • die Auswahl von aktiven Investmentfonds, die eine Wertentwicklung unterhalb ihrer Indizes zeigen. Wie andere Untersuchungen gezeigt haben, ist dies die Mehrheit der aktiven Investmentfonds

 

3. Fazit:

Als Anleger sind Sie ständig Versuchungen ausgesetzt, denen Sie widerstehen müssen. Dies sind vor allem Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. Chancen und Risiken an den Kapitalmärkten werden häufig von den Medien übertrieben dargestellt. Journalisten wetteifern gerne um die dramatischste Darstellung, um die Aufmerksamkeit von Lesern und Zuschauern zu erhalten. Dies betrifft genauso die Börsenkommentatoren. Für den Anleger besteht die Herausforderung darin, trotzdem immer einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine weitere Versuchung kommt von Beratern, die immer neue Produkte anbieten und nur an Depotumschichtungen verdienen. Zudem vertreiben sie mit Vorliebe die Produkte, die am meisten Provision beinhalten.

Kurz gesagt, erfordert eine erfolgreiche Geldanlage ein hohes Maß an Disziplin.

Für Sie als Anleger empfiehlt es sich daher,

  • nach Zusammenstellung Ihres Depots Ihre Bestände beizubehalten und nur in wirklich begründeten Situationen die Struktur zu ändern
  • Nachrichten und insbesondere Börsennachrichten kritisch zu würdigen und diesbezüglich eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln
  • unter Wirtschaft und Währung mehr über die ökonomischen Hintergründe zu lesen, um so die Nachrichten besser einordnen zu können
  • bei der Auswahl aktiver Investmentfonds sehr wählerisch zu sein und, wenn Sie nicht überzeugt sind, lieber stattdessen einen Index-ETF zu wählen
11.08.2016|Tags: |

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